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Frauenquote und ihre unbeabsichtigen Effekte

Februar 12, 2012

In Zeiten des gleichgeschalteten Journalismus kommt den Leserkommentaren und Leserbriefen eine immer größere Bedeutung zu. Durch aufmerksame Lektüre der Gedanken aus der Gesellschaft blickt man oftmals über den Tellerrand und einige Dinge die sich kompliziert anhören, bekommen eine erschreckende Klarheit.
Eine schöne Analogie liefert der User Ultra-Shall zum Thema der Frauenquote in seinem Leserartikel-Blog bei Zeit.de

„Liebe Leserin,

lieber Leser,

stellen Sie sich einmal vor, sie haben 4 Kinder, und zwar 2 Mädchen (nennen wir sie Anna und Hannah) und 2 Jungen (Mirco und Marco).

Eines Abends wollen sie diesen etwas besonders Leckeres servieren, und anstelle der sonst üblichen Butterbrote mit Käse und Schinken backen Sie Ihnen eine Pizza.

Diese teilen sie in 4 Teile, so dass jedes Kind ein Stück bekommt.

3 Ihrer Kinder sind auch sofort begeistert und beißen in ihre Stücke hinein.

Nur Anna lehnt ab – sie mag keine Pizza – Pizza sei Ihr generell zu salzig und zu scharf. Sie bestimmen daher, dass das übrigbleibende Pizzastück in den Kühlschrank kommt und später auf alle Interessierten verteilt wird, während Anna mit Vergnügen ein paar Käse- und Schinkenschnitten isst.

Hannah (ein ungewöhnlich frühreifes Mädchen) protestiert dagegen: Die derzeitige Pizza-Zuteilung benachteilige ganz eindeutig Mädchen. Denn obwohl der Mädchenanteil unter den Kindern bei 50% läge (2 Mädchen contra 2 Jungen) bekämen die Jungen zusammengenommen 2 Stücke Pizza, während auf die Mädchen insgesamt lediglich 1 Stück Pizza entfiele (nur Hannah bekommt ja eines).

Sie zeigen Verständnis für diese Argumentation und teilen Hannah nicht nur eines, sondern 2 Stücke Pizza zu. Somit gehen 50% der Pizza an die Mädchen und 50% an die Jungen. Ohne Zweifel eine gerechte Lösung!

Oder etwa nicht?? 😉

Falls Sie, liebe Leserin und lieber Leser, von der Gerechtigkeit dieser Lösung vielleicht nicht so ganz überzeugt sind, so sei erwähnt, dass es in der derzeitigen Öffentlichkeit ein Pendant dazu gibt: Gemeint ist die Diskussion über Frauenquoten!

Hier argumentieren nämlich die Befürworter ähnlich wie Hannah und ihre Eltern: Sie nehmen als Messlatte offenkundig den Frauenanteil in der Gesellschaft (ca. 50% – wie oben in der fiktiven Familie). Ein deutlich unter 50% liegender Frauenanteil in einem bestimmten gesellschaftlichen Bereich (z.B. ein Unternehmens- oder Parteivorstand) ist daher nach dieser Lesart eindeutig auf diskriminierende gesellschaftliche Mechanismen zurückzuführen.

Das ist jedoch zu kurz gedacht, denn es ist durchaus auch möglich, dass schlicht weniger Frauen als Männer an bestimmten Positionen interessiert sind – genauso, wie in unserem Pizza-Beispiel weniger Mädchen als Jungen an einem Pizzastück interessiert waren, trotz 50% Mädchenanteil unter den Kindern – und ein unterdurchschnittlicher Frauenanteil auch hierin begründet liegt.

Ein Beispiel, an dem sich die hier aufgestellte These markant belegen lässt, ist die jüngst von der CSU aufgestellte Frauenquote von (mindestens) 40%. Diese wurde mit dem Ziel aufgestellt, Geschlechtergerechtigkeit zu schaffen, was in dem Sinne verstanden wurde „die Frauen“ müssten bei Parteiämtern zumindest annähernd gleichstark repräsentiert sein wie „die Männer“.
Tatsächlich hat die CSU jedoch nur knapp 19% weibliche Mitglieder. Der geringe Frauenanteil in CSU-Gremien ist damit zumindest teilweise schlicht mangelndem weiblichem Interesse an einer CSU-Mitgliedschaft geschuldet. Die 40%-Quote aber führt unter diesen Umständen dazu, dass eine weibliche Kandidatin – (gleiche „Kandidaturwilligkeit“ von Männern und Frauen vorausgesetzt) – knapp. 3 mal so große Chancen hat, an ein Amt zu kommen, wie ein männlicher Kandidat.

Mit Gleichberechtigung von Frauen und Männern hat dies in Wahrheit wenig zu tun, und das Ziel der Quote, Chancengerechtigkeit herzustellen wurde im Falle der CSU eindeutig verfehlt.

[…]

Nun kann es natürlich sein, dass ein geringes Interesse von Frauen an bestimmten lebensrelevanten Entscheidungen (z. B. an einem Ingenieurstudium oder – wie gemutmaßt – dem Anstreben einer Chefposition) auch in gesellschaftlichen (und unbewusst verinnerlichten) Prägungen und Vorurteilen begründet liegt. Um auf das Pizza-Beispiel zurückzukommen: Anna hat in der Schule so oft gehört, dass Pizza „nichts für Mädchen sei“, dass sie es schließlich selber zu glauben begann, das Vorurteil zu ihrer eigenen Position gemacht hat und deshalb die Pizza ablehnt. In diesem Fall nutzt Anna die von den Eltern aufgestellte „Pizza-Frauenquote“ aber auch nichts. Denn zwar bekommen „die Mädchen“ im obigen Beispiel genauso wie „die Jungen“ 2 Stücke Pizza, doch das nutzt nur Hannah (die die doppelte Portion für sich kassiert) nicht aber der eigentlich „betroffenen“ Anna. Auf ein Unternehmen übertragen hieße das: Einer Frau, die eine Spitzenstellung in einem Unternehmen ablehnt, weil sie – wie wir einmal unterstellen wollen – durch in der Gesellschaft grassierende Vorurteile eingeschüchtert wurde und sich deshalb eine Chefposition nicht zutraut, nutzt eine Frauenquote für Spitzenposten schlicht nichts. Denn diese kann ja per se nur für ihre Kolleginnen gelten, die einer Spitzenposition aufgeschlossen sind. Sie – und nicht die ablehnende Mitarbeiterin – streichen den aus der Quote erwachsenden Vorteil für sich ein – genauso, wie Hannah (und nicht Anna) das zweite Stück Pizza für sich einstrich!“

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